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Dauerlicht im Foto Studio

Wenn für Fotos zu wenig Licht existiert, dann wird in den meisten Fällen ein Blitz verwendet. Deshalb gibt es auch Kameras, in denen ein winziger Blitz bereits eingebaut ist. Allerdings hat dieser Blitz aufgrund seiner sehr kleinen Bauart klare Grenzen und ist meiner Meinung nach eher als Notlösung zu betrachten. Unabhängig davon haben heutzutage alle Kameras einen sogenannten Blitzschuh, auf den Systemblitze aufgesteckt und von der Kamera direkt angesteuert werden können.

 

Eine Alternative zum Blitz ist der Einsatz eines Dauerlichts. Früher waren dies teure Lösungen, um ein tageslichtähnliches Licht zu erzeugen und wurden primär im Bereich der Videografie bzw. Filmindustrie verwendet.

Mit der Weiterentwicklung der LED-Leuchtmitteln haben sich kostengünstigere Lösungen sowohl für Videografen als auch Fotografen entwickelt.

 

Zuerst waren dies eher kleine Leuchten, die auch noch nicht so viel Leistung erbringen konnten. Deshalb wurden diese in der Videografie eher als Aufheller verwendet, wenn Personen im Nahbereich (z.B. Interviews) aufgenommen wurden.

 

Heute gibt es bereits sehr leistungsfähige LED-Leuchten, die entweder als Panels oder sogar wie Studioblitzgeräte gestaltet sind. Auch Leistungen bis zu 500 Watt sind bereits erhältlich. Unabhängig von der Stärke gibt es auch unterschiedliche Ausführungen und Bauformen.

 

 

 

Zuerst einmal zur Bauform, da gibt es die sogenannten Flächenleuchten, Ring- bzw. Stableuchten und Videoleuchten mit Bowens-Anschluss (sehen wie Studioblitze aus).

Von den oben dargestellten grundsätzlichen Formen gibt es die verschiedensten Größen und sogar schon biegsame Matten. Die links abgebildete Matte hat beispielsweise 480 Stück LED´s und eine Leistung von 35 Watt.

Als Dauerlicht können aber auch andere Leuchtmitteln verwendet werden. Dabei wird aber immer die Lichttemperatur ein wesentlich zu betrachtendes Kriterium sein. Das kann in der Nachbearbeitung sich als kritisch erweisen, wenn der Weißabgleich nicht passt.

 

Eine weitere Unterscheidung ist die Art des Lichts. Grundsätzlich erzeugen alle LED-Leuchten ein tagesähnliches Licht mit ca. 5.600 Kelvin.

Es gibt auch Ausführungen, die man Bi-Color Leuchten nennt, bei denen man zwischen warmes und kaltes Licht wählen kann (meist 3.200 bis 6.000 Kelvin) und dann noch die sogenannten RGB-Leuchten, mit denen jede beliebige Farbe eingestellt werden kann.

 

Warum beschäftigen wir uns eigentlich mit LED-Leuchten?

Der Vorteil ist eindeutig durch die bewusste Steuerungsmöglichkeit und Kontrolle schon im Sucher vor der Aufnahme. Beim Blitz kann man die tatsächliche Wirkung erst direkt nach der Aufnahme kontrollieren.

Nachteil ist, dass selbst ein günstiger Systemblitz wesentlich mehr Lichtleistung erbringt als die stärkste LED-Leuchte. Außerdem ist die Abbrennzeit eines Blitzes so kurz, dass selbst sehr schnelle Bewegungen eingefroren werden können.

 

Aus diesen grundsätzlichen Vor- und Nachteilen ergibt sich auch schon die Anwendung der LED-Leuchtmitteln.

Die eher kleinen LED-Leuchten werden primär im Bereich der Produktfotografie verwendet oder auch um Lichtstimmungen zu erzeugen.

 

Die Kombination von LED-Leuchten und Blitzgeräten erweist sich als schwierig und diffizil. Da die Leistung eines Blitzgerätes wesentlich höher ist als jene von LED-Leuchten, wird deren Wirkung durch das Blitzgerät überstrahlt. So wollten wir Farbeffekte mit LED-Leuchten erzielen und das Model mittels Blitzes ausleuchten. Der Blitz hat aber die Farben der LED-Leuchte überstrahlt.

 

Natürlich kann man mit einem Blitzgerät durch vorgesetzte Folien auch Farbeffekte erzeugen. Die Farben werden jedoch bei dieser Technik durch den möglichen Einsatz der vorhandenen Farben der Folien naturgemäß begrenzt.

Eine weitere problematische Anwendung mit Blitzgeräten ist jene mit Nebelmaschinen. Auch hier wird der erzeugte Nebel durch einen Blitz fast weggeblitzt. Auch hier erweist sich der Einsatz von LED-Leuchten wesentlich effizienter als jener mit Blitzgeräten. Idealer Weise noch RGB-LED-Leuchten, bei denen man eine beliebige Farbe einstellen kann.

Begonnen habe ich eher mit den kleineren LED-Leuchten. Da sich diese aber eher in der unteren Leistungsklasse bewegen (12 W bis max. 20W).

 

Das sind meine kleinsten LED-Leuchten von GODOX LED64 (7W, € 30.-). Selbst diese kleinen Leuchten können sowohl direkt mit Strom oder den handelsüblichen Batterien/Akkus (4 Stk. im AA-Format). Diese Leuchten können auch zusammengesteckt werden und so eine Art von LED-Batterie gebildet werden.

 

 

Eine größere aber noch kompakte Flächenleuchte ist das Raleno Studio Licht (€ 40.-) eine Lichtleistung von 12 W. Die LED-Leuchte hat noch eine sehr handliche Größe, kann sogar auf den Blitzschuh einer Kamera gesteckt werden und dient eher zum Aufhellen im Nahbereich, beispielsweise eine Portrait-Aufnahme bei einem klassischen Interview Setup.

 

 

Das Yongnuo YN-216pro (€ 83.-) ist eigentlich nicht wesentlich stärker, als die oben abgebildete Flächenleuchte und hat 13W.Die Besonderheit bei dieser LED-Leuchte liegt in der Bauform. Der runde Reflektor und die Möglichkeit, das Licht mittels den 4 Klappen auszurichten, macht schon eher ein Licht-Stativ erforderlich. Diese LED-Leuchte ist für den Kameraeigenen Blitzschuh sicherlich schon zu groß.

Bei einem Projekt „Brennende Schwerter“ mit eine Rittergruppe war ebenfalls der Einsatz von LED-Leuchten erforderlich, weil ein Blitz hier ebenfalls die Stimmung zerstört hätte. Unser Problem war bei diesem Projekt die Tatsache, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht über so starke LED-Leuchten verfügen konnten. Deshalb verwendeten wir hier 6-7 LED-Leuchten, die wir kreisförmig um die zu fotografierende Ritter anordneten.

Deshalb haben wir im heurigen Jahr (2021) leistungsstärkere LED-Leuchten beschafft.

 

Die links abgebildete LED-Flächenleuchte, die Neewer 660 Bi-Color (€ 120.-) kann sowohl direkt mit 220 Volt gespeist oder mit zwei Li-Ionen-Akkus betrieben werden. Diese LED hat eine Leistung von 40W, hat 330 weiße und 330 gelbe LED und damit kann eine individuelle Farbtemperatur (3200K bis 5600K) einstellen. Von dieser Type besitzen wir eine Leuchte und diese wird hauptsächlich als direktes Licht für unsere Models verwendet.

In weiterer Folge haben wir zwei Neewer 660 RGB-LED Flächenleuchte (€ 165.-) gekauft.

Die Stromversorgung und Leistung (40W) ist analog wie bei der Bi-Color Ausführung, nur die Anzahl und Art der einzelnen LED weicht davon ab. Es wurden 320 RGB Lampen, 170 kühle und 170 warme Farbperlen verbaut um die verschiedensten Farbvariationen erzeugen zu können.

 

Diese LED-Leuchten können auch über eine App am Smartphone gesteuert werden.

Eine weitere Investition sind zwei Stück Stab-LED-Leuchten von Rollei. Die Anzahl der LED´s sind 264 (87 Weißlicht / 87 Warmlicht / 90 RGB) und bringen eine Leistung von 20W. (€ 119.-)

 

Wir stellen mit den beiden Stableuchten hauptsächlich farbige Effekte her. Beispielsweise farbige Hintergründe, wenn wir die Nebelmaschine verwenden.

Die oben abgebildete Aufnahme wurde ausschließlich mit LED-Leuchten und der Nebelmaschine erstellt. Links hinten eine rote Stableuchte, rechts hinten eine gelbe Stableuchte und von vorne das Model mit Tageslicht angestrahlt.

 

Aber auch im Freien ist die Verwendung von LED-Leuchten durch den Akku-Betrieb sehr einfach möglich.

 

Auch dabei kann mit farbigen Effekten gespielt werden.

Eigentlich sind wir mit unserer Ausstattung von LED-Lampen sehr zufrieden und sind mit der vielfältigen Einsatzmöglichkeit überzeugt.

 

Einziger Wermutstropfen ist doch die begrenzte Leistungsmöglichkeit bzw. Lichtstärke.

 

Wir verwenden sehr gerne die Porty´s (Studioblitze) auch bei Tageslicht, weil man damit auch schöne Effekte erzielen kann, die Farben dadurch besser herauskommen und man auch schöne Gegenlicht Aufnahmen machen kann.

Ob stärkere LED-Leuchten auch bei dieser Aufgabe helfen können, wird die Praxis zeigen.

 

Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, noch leistungsstärkere LED-Leuchten zu kaufen.

Diese haben wir in der Rollei Soluna II 60 W (€ 120.-) gefunden und von dieser gleich 3 Stück gekauft.

Wie aus der Bezeichnung schon erkennbar ist, hat diese Tageslicht LED Leuchte 60 W und verfügt auch einen Bowens-Anschluss zur Verwendung der gleichen Lichtformer wie bei den Studioblitzen. Diese Leuchte kann ebenfalls entweder mit direktem Stromanschluss oder auch mit zwei Akkus betrieben werden. Damit kann man diese auch im Freien verwenden.

 

LED-Lampen sind auch ideal, wenn man bei bewegten Motiven auch die Serienfunktion der Kamera verwenden möchte, das ist für den Blitz eine große Herausforderung.

 

Die Besonderheit bei der Wahl des Rollei Produktes ist, dass wir mit unserem Rollei Funksender Mark II, den wir auch für unsere Rollei-Porty´s verwenden, auch die Stärke der Soluna LED-Leuchten regulieren können.

 

Diese Funkfernbedienung wird sich sicherlich auch als sehr praktisch erweisen.

Auch die Steuerung mit einer APP auf dem Smartphone wäre möglich. Ich finde es mit dem Funksender praktikabler

Wir haben nun bei der Erstellung des Videos auch die Möglichkeit gehabt, die unterschiedlichen LED-Leuchten miteinander zu vergleichen.

 

Hinsichtlich der Lichtausbeute ist schlussendlich nicht nur die Leistung der LED-Leuchte ausschlaggebend, sondern auch die Bauform.

 

 

Wir haben deshalb die Lichtstärke in LUX mit einem Belichtungsmesser aus einem ungefähren Abstand von 1 m gemessen. 

 

Aus der oben angeführten Tabelle kann man sehr gut erkennen, dass man aus der Leistung in Watt der LED-Leuchte nicht unbedingt die tatsächliche Lichtausbeute entnehmen kann. Es gibt nur einen bedingten Zusammenhang der Lichtleistung zur Leistung in Watt. Deshalb haben wir auch einen Praxistest und Vergleich zwischen dem Panel von Neewer 660 und der LED-Leuchte Soluna II 60W von Rollei.

 

Die rechts befindliche Aufnahme wurde mit 3 Rollei Soluna II 60W mit ca. 50% verminderter Lichtleistung fotografiert.

Wir haben bewusst ausprobiert, ähnliche Kameraeinstellungen wie mit Blitzgeräten auszuprobieren.

Die volle Lichtleistung wäre für die Augen aufgrund der kurzen Distanz eher sehr unangenehm.

Deshalb haben wir mit reduzierter Lichtleistung, einer etwas höheren ISO, nämlich ISO 400, die überhaupt keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der Fotos hat.

 

Auch die Belichtungszeit wurde etwas reduziert (statt 1/160 Blitzsynchronzeit) auf 1/125 s eingestellt. Die Blende 5,6 ist auch noch sehr moderat.

Selbst bei 50% Lichtleistung, hatte Fritz das Problem, die Augen offen zu halten. Dies zeigt sich auch beim Panel von Neewer.

 

Der zweite Test war, mit den gleichen Kamera-Einstellungen wie bei den Rollei Soluna II 60W auch mit dem LED-Panel von Neewer die selbe Aufnahme zu machen. Damit wir annähernd gleich belichtetes Foto zu erhalten, musste um ca. 5 Blendenstufen (Zeit bzw. Blende) mehr aufgemacht werden muss.

Zugegebener Weise hinkt dieser Vergleich etwas, weil die beiden LED-Typen nicht mit dem gleichen Leistungsspektrum gearbeitet haben.

 

Für uns ist die Leistung der Rollei Soluna II 60W beeindruckend.

 

Wir werden diese in baldiger Zukunft auch bei Tageslicht testen.

Allerdings gehe ich davon aus, dass die 60 Watt bei Tageslicht in bestimmten Situationen ebenfalls zu schwach sein werden, wenn wir beispielsweise gegen die Sonne (im Gegenlicht) fotografieren möchten.

Wir hätten auch dafür noch gerne eine Lösung und denken, dass wir noch eine LED-Leuchte mit 300 Watt beschaffen werden, um auch bei hellem Tageslicht mit Dauerlicht arbeiten zu können.

Dies wird sicherlich eine der zukünftigen Investitionen sein.

 

Diese wird ca. € 500.- kosten und kann ebenfalls mit Strom oder Akku betrieben werden.

 

 

Unsere Erfahrungen werden wir mit einem weiteren Bericht präsentieren.

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Kommentare: 1
  • #1

    Georg Cizek-Graf (Sonntag, 09 Januar 2022 17:09)

    Danke für den informativen Artikel! Ich habe mir 2 Raleno Leuchten 192 gekauft, mit Stativ und Tragtasche um ca. 100 Euro, ideal zum Üben und Ausprobieren.