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Kleinbild versus Mittelformat

Größe und Gewicht ist bei Mittelformat meist kein Thema

Eine Kamera die gerade noch klein genug ist, um für Street Photography geeignet zu sein und trotzdem höchste Bildqualität für Porträts und Produkt Fotografie zu bieten, hat sich unter Berufsfotografen mittlerweile beliebt gemacht. Allerdings bringt sie ca. 1 kg auf die Waage.

 

Was aber macht den Reiz der Mittelformat Kamera aus? Der Preis war früher einmal etwas, was viele Fotografen abgeschreckt hat, aber das ist nun nicht mehr der Fall. Sind es die Sensoren, die 70% größer als Vollformat sind, die wirklich so viel mehr Bildqualität bringen?

 

Die Leute von Fuji sind ja der Meinung, dass Vollformat niemand braucht, weil sie produzieren nur

APS-C Sensor Kameras oder eben Mittelformat Kameras mit einer Sensor Größe von 43,8 x 32,9 mm. An und für sich gefällt mir die Idee, weil für viele Anwendungsgebiete reichen auch MFT oder APS-C Sensoren. Damit kann man dann Geld sparen für das Mittelformat, bei dem man sicher nicht alle Brennweiten wie bei kleineren Sensoren benötigt. Mittelformat ist aus meiner Sicht für die Brennweiten von 42 bis 100 mm (bei Mittelformat) prädestiniert. Sportfotografie, Makrofotografie oder Fotosafari sind nicht die Anwendungsgebiete fürs Mittelformat.

Analoge Mittelformat Kamera von Pentax
Alte analoge Mittelformat Kamera von Pentax

Abbildungsqualität von Mittelformat

Man ist bei Mittelformat Kameras gewohnt, mehr in der Hand zu haben und langsamer zu Fotografieren. Mittelformat ist somit das richtige Werkzeug für Fotografen, die ein Zielfoto oder ein Konzept im Kopf haben, das sie mit bestimmten Licht in bestimmten Perspektiven, meistens im Foto Studio, aber auch on location umsetzen wollen.

 

Mittelformat ist die Kamera Klasse von Mode, Porträt und Produkt Fotografen, aber teilweise auch Landschaftsfotografen. Werbefachleute und Redakteure von Magazinen brauchen diese hohe Auflösung von 50 MP bis 100 MP auf Sensorflächen, auf denen die Pixel auch etwas größer sein dürfen. Dadurch ergeben sich mehr Blendenstufen Farbdynamik, die kleinste Farbnuancen darstellen und es gibt bei schlechten Lichtverhältnissen kein Rauschen auf dem großen Sensor. Das liegt daran, dass der Abstand zwischen den Pixeln größer ist und sich die Pixel nicht gegenseitig beeinflussen können (Pixel Pitch = Pixel Abstand).

Der Wert des einzelnen Bildes erhöht sich mit der Art des Fotografierens

Wenn man mit einer Mittelformat Kamera fotografiert, macht man sich traditionell mehr Gedanken vor dem Auslösen und macht auch weniger Aufnahmen pro Shooting. Es ist als ob man in Zeitlupe fotografieren würde. Alles läuft langsamer ab und zielt auf die höchste fotografische Qualität ab. Damit verwendet man auch mehr Zeit in der Nachbearbeitung, bearbeitet aber weniger Fotos vom Shooting, weil jedes einzelne Foto für sich schon ein Kunstwerk ist.

 

Viele Funktionen, die heute jede Vollformat bietet, sind nicht bei jeder Mittelformat Kamera mit an Bord. Die Anbieter sind: Fujifilm, Pentax, Hasselblad, Leica. Die Preise bewegen sich von € 3.500,- bis € 18.000,- für das sogenannte kleine Mittelformat.

Der psychologische Moment in der Fotografie

Der psychologische Faktor mit der "richtigen" Kamera beim Kunden zu erscheinen ist sehr oft auch ein gewisser Erfolgs-Faktor für die Fotos, die man damit später aufnimmt. Weil sich nicht nur die Fotografen anders dabei verhalten, sondern auch die Kunden, wenn sie mit großen Kameras fotografiert werden. Klingt jetzt blöd, ist aber nicht so blöd, wie man oft denken würde. Heute fotografiert jeder mit seinem Smartphone und sieht gute Bilder am Display und wie kann dann ein Laie einen Berufsfotografen von Amateuren unterscheiden? Richtig: Die Größe der Kamera macht den Unterschied ;-).

(c) Harald Mizerovsky

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