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Systemblitz oder Studioblitz

Welche Blitzgeräte werden wann eingesetzt?

·         Interner Blitz (in Kamera fix eingebaut)
·         Systemblitz (externer Blitz)
·         Studioblitz (mit Akkubetrieb à Porty)

 

In diesem Blog möchte ich grundsätzlich nur auf die Verwendung der Systemblitze versus Studioblitze eingehen.

 

 

Aber so viel möchte ich schon zum internen Blitz sagen. Dieser hat auch seine Berechtigung zum Aufhellen von nahen Objekten und kann auch zum Auslösen von externen Blitzen verwendet werden.

Auf unserem YouTube Kanal Mizerovsky gibt es viele Videos zum Thema Blitz und blitzen!

Konkurrenzieren Systemblitze und Portys?

Meiner Meinung nach überhaupt nicht. Der Name Studioblitz drückt eigentlich schon den primären Verwendungszweck aus. Wobei ich jetzt nicht auf die Studiofotografie eingehen möchte.

 

Für mich sind die Portys ein sehr wesentliches Equipment in der Portraitfotografie auch im Outdoor-Bereich.

 

In diesem Bereich könnte man diese beiden Arten von Blitzgeräten in Konkurrenz sehen. Bei näherer Beleuchtung haben aber beide Systeme ihre Berechtigung und Anwendungsfälle und ergänzen sich meiner Meinung.

Warum verwende ich lieber Portys?

Die klassischen Systemblitze mit höherer Leistung bewegen sich zwischen 50-60 Leitzahl. Die Leistung der Studioblitze wird allerdings nicht mit Leitzahl (Lz) sondern Wattsekunde (Ws) gemessen. Damit erschwert sich etwas der Vergleich von Systemblitz zu Studioblitz. Für einen ungefähren Vergleich kann man bei gleichen Rahmenbedingungen die Werte 1 LZ mit 1 Ws gleichsetzen (mathematisch ist dies allerdings nicht ganz richtig).

 

Siehe auch Exkurs: Definition LZ

 

Wenn man nun ein Blitzgerät bei Tageslicht, u.U. sogar gegen die Sonne (klassische Gegenlichtsituation) verwenden möchte, dann stößt man bei den klassischen Systemblitzen sehr rasch an ihre Grenzen bzw. Leistungsfähigkeit. Vor allem wenn man einen Systemblitz entfesselt mit einer Softbox betreiben möchte, ist dessen Leistung leider dafür in vielen Fällen zu schwach.

 

 

Inzwischen gibt es allerdings Systemblitze, die ähnlich aufgebaut wie Studioblitze sind und so eine Brücke zwischen Systemblitz und Porty bilden.


Klassische Beispiel dafür ist der Profoto A10 (€ 1.000.-), es gibt aber bereits ähnliche Produkte von GODOX der V1 (€ 191.-) und auch von Jinbei HD-2pro (€ 179.-). Diese Geräte haben eine Leistung um die 80 Ws. In weiterer Folge gibt es von vielen Herstellern bereits Portys ab 100 Ws, die einen ähnlichen Formfaktor wie die klassischen Studioblitze aufweisen, aber noch leichter und kompakter sind.

Meine Erfahrungen basieren auf dem Systemblitz von NIKON Speedlight SB-5000 (€ 629.-), der vergleichsweise sehr teuer ist, aber optimal mit dem NIKON System zusammenarbeitet. Eine Leistung von LZ 55 und ein spezielles Kühlsystem erlaubt Serienblitze bis zu 84 Aufnahmen im 3-sec Intervall. Er bietet sowohl TTL (i-TTL), manuellen Betrieb, Kurzzeitsynchronisation bis zu 1/8.000 s, einen ZOOM-Bereich von 24-200 mm Vollformat und spezielle TTL Programme für Tageslicht.

 

Außerdem habe ich noch zwei Systemblitzgeräte von Nissin Di 700 A (€ 160.-) LZ 54 mit Funkauslöser Air1 (€70.-), die ich sehr gerne im entfesselnden Modus verwendet habe. Allerdings seit ich meine Portys habe, verwende ich die Portys lieber wegen ihrer höheren Leistung.

 

Als weiteren Blitz habe ich von Jinbei den HD-2pro, der zu 100% kompatibel zu den Rollei Portys und auch den Funksender von Rollei ist. Damit kann der kleine Blitz zu den beiden Portys von Rollei auch hundertprozentig eingebunden werden.

 

Vergleichsweise haben meine Portys eine Leistung von 400 Ws, das ist ungefähr das 8-fache gegenüber meinen Systemblitzgeräten.

 

 

Meine beiden Portys sind von Rollei, die Bezeichnung HS Freeze 400s mit Akkubetrieb (€ 399.-) sagt schon viel aus. Sie können ebenfalls mit TTL als auch manuell betrieben werden, haben auch eine Kurzzeitsynchronisation (HSS) bis zu 1/8.000 s und Freeze ist ein ultrakurzer Blitz mit 1/19.000s, der extrem schnelle Bewegungen einfrieren kann.

Typische Fall für den Systemblitz
Typische Fall für den Systemblitz

Anwendungsgebiete für Systemblitze und Portys

Im Bereich der Reportage kann nur mit einem Systemblitz direkt auf der Kamera fotografiert werden. Bei diesem Thema muss man beweglich, schnell und jederzeit für einen Schnappschuss bereit sein.

 

Mit entsprechenden Reflektoren bzw. kleinen Softboxen kann das Licht weicher gemacht werden. Eine bewährte Methode ist das indirekte Blitzen, deshalb sollte der Reflektor vom Systemblitz auch in allen Richtungen beweglich sein.

 

Entfesselt blitzen: Darunter versteht man die Möglichkeit, den Blitz unabhängig von der Kamera zu situieren. Hier ist meiner Meinung nach auch die Überschneidung der Systemblitze mit den Portys. Den dafür benötigt man unbedingt Lichtstative und idealer Weise auch Softboxen oder zumindest Reflektor Schirme.

 

 

Mit anderen Worten, man muss einiges zusätzliches Equipment mitnehmen, um entfesselt blitzen zu können. Das ist für mich der Zeitpunkt, dass ich lieber meine Portys in diesen Fällen verwende.

 

Selbstverständlich schleppt man dabei mehr Gewicht mit, weil doch alles etwas schwerer ist. Das Ergebnis aber überzeugt. Man erreicht damit eine wesentlich bessere Ausleuchtung, das Licht kann aufgrund der größeren Softboxen wesentlich weicher gemacht werden und somit erreicht man Effekte, bei denen der Betrachter gar nicht auf die Idee kommt, dass geblitzt wurde.

Definition LZ (Leitzahl)

 

Die Leitzahl LZ kommt aus der analogen Fotografie und ist das Produkt aus dem Abstand A zwischen Blitz und Motiv in Metern und der jeweils zur korrekten Belichtung erforderlichen Blendenzahl B:

 

LZ = A . B (LZ bei einer ISO=100)

 

Daraus kann man auch die Entfernung von der Kamera zum Objekt auf Basis der LZ und kleinste Blende errechnen bzw. bestimmen.

 

Wenn man eine höhere ISO Zahl als 100 verwendet, dann kann die LZ mit einem Faktor erhöht werden.

Bei einer Vervierfachung der ISO verdoppelt sich die LZ.

 

Somit ist ersichtlich, dass die LZ vom Abstand Fotokamera zum Objekt, der Blende und der ISO abhängig ist.

 

Ein weiterer Aspekt ist auch die Verstellmöglichkeit, den Winkel des Reflektors zu verstellen.

 

 

Viele moderne Systemblitze haben noch einen verstellbaren Reflektor. Damit wird das Blitzgerät an die Brennweite des Objektivs angepasst.

Film

Faktor

ISO 50

0,7

ISO 100

1,0

ISO 200

1,4

ISO 400

2,0

ISO 800

2,8

ISO 1600

4,0

ISO 3200

5,7

Aus der oben dargestellten Tabelle ist ersichtlich, dass mit der Veränderung der Brennweite bzw. Bildwinkel sich auch die Leitzahl verändert. Bei den Blitzgeräten wird deshalb auch immer angegeben, unter welchen Rahmenbedingungen (ISO, Brennweite) die Leitzahl zu verstehen ist. Im Normalfall wird immer die „Normalbrennweite“ 50 mm ausgegangen.

Bildwinkel

114°

104°

84°

75°

63°

47°

34°

29°

23°

Brennweite (Kleinbild)

14 mm

17 mm

24 mm

28 mm

35 mm

50 mm

70 mm

85 mm

105 mm

Leitzahl (ISO 100, Meter)

17

19

30

32

38

44

50

53

56

Wenn wir nun annehmen, dass unser Blitzgerät eine LZ=40 hat, wir am Objektiv eine Blende von 4 einstellen können, dann würde das Blitzgerät bei ISO 100 bis zu 10 m leuchten. Wenn wir die ISO auf 400 stellen, dann würde der Blitz bis zu 20 m leuchten. Das Problem dabei ist, dass in der Nähe der Blitz viel zu hell wäre und in der Entfernung viel zu dunkel.

 

Bei doppelter Entfernung reduziert sich die Lichtmenge zum Quadrat. Mit dieser Erkenntnis kann man auch mit dem Abstand zum Objekt spielen.

(c) Wolfgang Artner - https://www.fotosartner.at/ 

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